Abos!

SCHWARZ MIT VIEL LICHT.


Hoch über Chur haben sich Andreas und Martina Huwiler Maranta ihr Familienhaus gebaut. Es besticht durch mutige Ideen, viel Licht und eine einzigartige Aussicht.


Text: Maya Höneisen

Bilder: Alice Das Neves

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Klingelt man an der Haustüre an der Tellostrasse in Chur, wird man gleich von der ganzen Familie empfangen. Drei kleine Kinder wuseln fröhlich durch den Flur. Eine junge Katze streckt neugierig ihr Köpfchen um die Ecke. «Ja, das sind unsere drei Buben, und die Katze ist eine von ebenfalls drei», erklärt Martina Maranta lachend. Sie und ihr Partner, Andreas Huwiler Maranta, haben sich an diesem hübschen Plätzchen hoch über Chur ihr Familienhaus gebaut. Familie ist tatsächlich das Stichwort. Die Treppen hoch bis zum Attikageschoss sind Lego & Co. vorherrschend. Bunte Farbtupfer, die von einem lebendigen und unkomplizierten Leben der fünfköpfigen Familie erzählen. Oben angekommen, ist die Überraschung erst einmal gross. Der offene grosszügige Wohnbereich mit der integrierten Küche ist ganz in Schwarz gehalten. Erstaunlicherweise wirkt er dadurch nicht etwa dunkel und düster, sondern gibt durch die weiten Fensterfronten gegen Süden, Osten und Westen ein durchaus freundliches Wohngefühl.

Im letzten Moment

Aber zurück zum Start. Am ausladenden Familientisch erzählen Martina Maranta und Andreas Huwiler Maranta von sich und ihrem Abenteuer Hausbau. Kennengelernt haben sich die beiden in Zürich. Andreas ist Geologe und Bergführer, Martina Gynäkologin. Eigentlich wollte sie nicht zurück ins Bündnerland. Nach einem Ausbildungsjahr am Frauenspital Fontana im Jahr 2003 blieb sie aber doch. Andreas fand vor acht Jahren eine Stelle beim kantonalen Amt für Wald und Naturgefahren (AWN) und zog 2009 nach. «Solange ich Lawinenverbauungen sehe, ist mir wohl», erklärt der gebürtige Walliser Andreas lachend und weist auf den gegenüberliegenden Calanda. Martina wohnte zu diesem Zeitpunkt in einer Altbauwohnung in Chur. «Wir wussten beide, dass diese Wohnsituation auf Dauer keine Lösung sein würde. Wir wollten ein Zuhause, ein Nest für die Kinder», erzählen sie. Also ging die Suche los. Von ihrer Bank hörten sie von einem Landstück im Baurecht. Riesig, viel zu gross – finanziell nicht machbar. Schon der Gedanke daran wurde wieder gestrichen. Am Abend vor Ablauf der Einga-befrist fand Martina dann aber doch «eigentlich ist es genau das, was wir wollen» und schickte die Bewerbung ab. Zwei Wochen später flatterte die Kündigung ihrer Altbauwohnung auf den Tisch. Das gab den Auslöser, beim zuständigen kantonalen Amt für die neue Überbauung an der Tellostrasse nachzuhaken. Noch am Telefon erhielten sie die Zusage für die eingereichte Wunschparzelle. Das war im Januar 2014.


Der Zugang zum Haus erfolgt von der Stadt-Seite her. Gegen den Montalin öffnet sich der grosse Garten.

Riesenglück mit dem Architekten

Andreas und Martina überlegten sich also, wie denn ihr neues Heim aussehen und wer es bauen sollte. «Von Beginn weg war klar, dass wir aus ökologischen Gründen und wegen des Wohnklimas einen Holzbau wollten», erklärt Martina. Also suchten sie einen Architekten, der sich in dieser Bauweise auskannte und Erfahrung im Bau von Einfamilienhäusern hatte. Im Haldensteiner Architekturbüro Robert Albertin wurden sie fündig. Im Februar 2014 trafen sie ihn ein erstes Mal und unterschrieben nach einem einstündigen Gespräch gleich den Vertrag. «Wir hatten ein Riesenglück mit ihm», ist Andreas im Nachhinein überzeugt. Der Anspruch an Albertin: «Wir wollten ein Familienhaus mit grossen und hellen Gemeinschaftsräumen, nicht zu kurz sollten die alltäglich genutzten Nebenräume, wie Hauswirtschaftsraum, Sportraum für die Bergsteigerutensilien von Andreas und eine Spensa, kommen. Dafür durften die Zimmer etwas kleiner sein». Zudem war den Vorgaben des 2013 vom kantonalen Hochbauamt Graubünden erstellten Quartierplans «Tellostrasse» zu entsprechen. Dieser hatte die Anzahl der Baufelder, die Grösse der Bauparzellen, die Gebäudehöhen sowie die Rücksprünge im Erdgeschoss und im Attikabereich definiert. Weiter waren das Material jeder Nordfassade und dessen Länge in Beton vorgegeben.

Familienfreundliches Raumkonzept

Albertin entschied sich, dem Wunsch von Andreas und Martina nach einem ökologischen Holzbau entsprechend, für das Massiv-holzsystem KLH (Kreuzlagenholz). KLH besteht aus übereinander gestapelten Fichtenlamellen, die unter grossem Pressdruck zu grossformatigen Bauelementen verleimt werden. Das eingesetzte Holz wurde bewusst sägeroh belassen und bildet damit einen dezenten Unterschied zu den geschliffenen Lärchenbrettern in den Fensterleibungen. Die Anforderungen nach grossen Gemeinschafts- und eher kleineren Schlafräumen beantwortete der Architekt mit einem grosszügigen Wohnbereich im Attika und im ersten Stock mit einem übergrossen Korridor, der als Spielzimmer oder Büroraum funktioniert und einen Filter zwischen privaten Schlafräumen und dem Aussenraum bildet. Um die West- und Südseite des Attikageschosses läuft eine grosszügige Veranda. Im Erdgeschoss steht dem Vater von Martina ein Atelier zur Verfügung, welches zum Studio ausgebaut werden kann.


Eine offene Treppe verbindet die Stockwerke.Das Attikageschoss bietet viel Platz fürs Familienleben.Im ersten Stock dient der übergrosse Korridor als Spielzimmer und Büroecke und bildet einen FIlter zwischen Schlafräumen und Aussenbereich.

Schwarz oder nicht schwarz?

Um das Farbkonzept im Haus gab es viele Diskussionen. «Wir wollten kein Weiss, aber was sonst?» war die Frage, die oft mit Freunden besprochen wurde, die von Schwarz schwärmten. «Die Menschen wohnten Zehntausende von Jahren in schwarzen Räumen», meint Andreas und spricht damit den Begriff der Höhle an. «Die Fensterumrahmungen sind aus Lärche, mit Weiss gefiel uns dieses Holz nicht. Mit Schwarz hingegen ergeben sie Bilder in die umliegende Landschaft. Zudem wirkt die Chromstahlküche in Kombination mit Schwarz wärmer». Schwarz wurde also in den Überlegungen immer präsenter. Alles schwarz war dann aber doch zu viel. Schliesslich wurden die Massivholzwände und -decken in Nuancierungen von Grau gestrichen, wobei die Struktur des Holzes sichtbar bleibt. Nahezu schwarz sind nur ein Schlafraum und das Attikageschoss. Dies ebenso bei den eingefärbten Zementunterlagsböden.

«Fast wie am Lagerfeuer»

Beheizt wird das Haus mit einer Aussenluftwärmepumpe und zur Gewinnung von Warmwasser wurden Sonnenkollektoren auf dem Dach installiert. Im Mittelgeschoss ist eine Lüftungszentrale für die kontrollierte Raumlüftung eingebaut. Sie kann mit einer kurzen Leitungsführung alle Geschosse mit Frischluft bedienen. Diese Lüftung habe sich sehr bewährt, erklärt Martina und meint abschliessend: «Wir fühlen uns sehr wohl hier, die Kinder geniessen viel Platz im und ums Haus zum Spielen. Wir als Erwachsene denjenigen, den wir für Gäste haben.» Und Andreas schwärmt: «Sitzt man abends hier mit Freunden und einem Glas Wein am Tisch, ergibt sich durch die grossen Fensteröffnungen, durch die Lichter der Stadt und das Schwarz des Raumes eine einzigartige Stimmung. Man fühlt sich manchmal fast wie am Lagerfeuer».


Die einzigartige Aussicht und die ums Attikageschoss laufende Veranda brechen das Schwarz des Raumes und durchfluten ihn mit Licht.Das ganz in Schwarz gehaltene Schlafzimmer im ersten Stock.Aus der professionellen Küche gibt ein grosses Fenster den Blick gen Osten frei.

Fakten

Planungszeit: März bis Juli 2014
Spatenstich: November 2014
Bezug : 1. Juli 2015
Qualitätslabel: Minergie-GR-103-P-zertifiziert
Heizung: Aussenluftwärmepumpe
Warmwasser: Sonnenkollektoren
Architekt: Albertin Partner Architekten Chur/Haldenstein, www.albertin-architektur.ch