Das preisgekrönte Werk
Reto Bernhard hingegen entschied sich für einen anderen Baustil. Seine Hütte steht heute fast an demselben Ort wie vor dem Brand. Da er im Gegensatz zu den anderen kein Haus, sondern einen ausgebauten Heustall besessen hatte, war für den Neubau ein Strickbau vorgeschrieben. Während sich die Aussenhülle des Hauses mit seinem Strickbau an die bestehenden Gebäude anlehnt, überrascht der Innenraum durch einen modernen Baustil. Eine offene Grundfläche, nur durch eine Glaswand getrennt, lässt den schlicht eingerichteten Raum als Ganzes wirken und den Specksteinofen zur Geltung kommen. Die Fenster und die grosse Eingangstüre geben den Blick auf das atemberaubende Alpenpanorama frei. «Ich wollte die Alp zu mir in die Hütte holen, auch wenn ich einmal nicht draussen sitzen kann», erklärt Reto Bernhard.
Geplant wurde der Neubau von Daniel Ladner vom Architekturbüro Bearth und Deplazes. «Viele finden meine Hütte nicht schön», erzählt Reto Bernhard, «aber für mich stimmt alles.» Das Gebäude fand nicht nur beim Besitzer Anklang: 2015 wurde das Projekt durch die Verleihung des Prix Lignum Ost bekannt. Reto Bernhard freut sich darüber: «Wir dachten, für einen Preis ist das Projekt viel zu klein, aber eine Anerkennung wäre schön. Als dann verkündet wurde, dass meine Hütte den 1. Preis erhält, war das für mich ein riesiges Highlight.» Und so kann Reto Bernhard seine Wiesner Alp mit dem unglaublichen Blick auf die Bergkulisse erst recht geniessen.
Der Grossbrand war ein Schicksalsschlag für alle. Nach bald zehn Jahren erscheint die Siedlung wieder als Einheit. Aber noch sind nicht alle Querelen auf der Wiesner Alp beseitigt. Und vielleicht bräuchte es, wie aus der Kindheitserinnerung von Anita Bernhard, die Ermahnung an den unheimlichen Gesellen, der um die Hausecken pfeift, wenn es auf der Alp stürmt: «Höred jetz uuf, sus chunnt de dr Gwätt-Luzi.»